NLP und Wissenschaft

NLP steht seit jeher unter kritischer Betrachtung der wissenschaftlichen Welt. Und eine kritische Betrachtung ist ja nicht von vorneherein schlecht - natürlich haben auch wir als NLPler den Anspruch wirksame und empirisch gestütze Formate, Modelle und Interventionen zu lernen und zu lehren.

Wo im Spannungsfeld zwischen Kritikern und NLP-Begeisterten liegt denn nun die Wahrheit?

Begeben wir uns doch einmal auf die Suche und tauchen tiefer ein. Auch wenn dieser Artikel sich vielleicht nicht ganz entspannt und nebenher runterlesen lässt - wenn Sie sich darauf einlassen wird es interessant!

Die Wissenschaftlichkeit des Neuro-Linguistischen Programmierens

Die zentrale Grundlage des NLP (und meiner Meinung nach eine, die zu wenig Aufmerksamkeit in den meisten Ausbildungen erhält) sind die sogenannten "Grundannahmen". Grundannahmen sind Überzeugen, die der Arbeit mit NLP zugrunde liegen. Sie wurden von wichtigen Einflussgebern zur Enstehungszeit übernommen und bilden die grundlegenden Denkmuster, mit denen ein NLPler die Welt betrachtet.
 

Jeder Mensch hat nur eine Landkarte der Welt
• Eine zentrale These des NLP lautet, dass Menschen jeweils nur eine Landkarte der Welt wahrnehmen können und diese nie die tatsächliche Realität darstellt. Dies wurde durch die moderne Hirnforschung insoweit belegt, dass unser Unterbewusstsein eine deutlich größere Rolle in Bezug auf unser Denken und Handeln einnimmt als lange Zeit gedacht. So kreiert unser Zentralnervensystem – ohne dass wir es wahrnehmen – stets ein Abbild unserer Umgebung. Jeder Sinnesreiz wird zunächst vollends unbewusst gefiltert und in Bezug auf seine Bedeutung geprägt, ehe er in jene Hirnregionen gelangt, welche mit der Bewusstseinsbildung zusammenhängen. Insofern hat jeder Mensch ein sehr individuelles Bild der Welt, welches nie gänzlich mit der tatsächlichen Wirklichkeit übereinstimmt.

Die zentrale Rolle des Unterbewusstseins
• Im NLP kam dem Unterbewusstsein schon immer eine zentrale Bedeutung zu. So wird das Unterbewusste hier bei tiefgreifenden Veränderungsprozessen oftmals miteinbezogen. Der deutsche Neurobiologe und Direktor des "Instituts für Gehirnforschung" der Universität Bremen, Gerhard Roth, konnte in seinen 1995 und 2001 veröffentlichten Werken aufzeigen, dass das, was wir als bewusste Entscheidung wahrnehmen, in Wirklichkeit das Zusammenspiel aus komplexen unbewussten Prozessen darstellt. Als Grundlage hierfür dienten Experimente, welche der amerikanische Hirnforscher Benjamin Libet in den 80er Jahren durchgeführte. Roth verdeutlicht, dass das Unterbewusstsein dem Bewusstsein in bestimmten Aspekten einen Schritt voraus ist. So ist das Unterbewusstsein vor allem für das schnelle Treffen einer Entscheidung zuständig, während das Bewusstsein im Nachhinein versucht, eine logische Erklärung hierfür zu finden.

Persönliche Veränderung und Neulernen
• Auch die Grundannahme des NLP, dass persönliche Veränderung und Neulernen – auch in hohem Alter – möglich ist, kann mittlerweile empirisch gestützt werden. So verdeutlicht der Neurobiologe Gerald Hüther in seinem Buch „Bedienungsanleitung für ein menschliches Gehirn", dass das Gehirn nicht mit einem bestimmten Programm auf die Welt kommt, sondern mit der Fähigkeit, programmiert werden zu können. Sehr wichtig ist hierfür laut NLP-Annahmen das richtige Belief.

Die Aufmerksamkeit geht dahin, wo Intensität ist
• Eine weitere zentrale NLP These lautet, dass Aufmerksamkeit dahin geht, wo Intensität ist. Insofern gilt im NLP, dass bei der Etablierung neuer Erlebens-und Verhaltensstrategien stets eine stärkere Intensität erreicht werden muss, als sie beim alten Muster vorhanden war. Auch dies konnte mittlerweile durch die Hirnforschung gestützt werden. So führt jede Reaktion zu einer synaptischen Verschaltung der betreffenden Neurone und mit einer jeden Wiederholung der Reaktion wird diese Verschaltung verstärkt. Einmal geebnete Reaktionswege sind dabei unauflösbar und bleiben ein Leben lang. Um ein altes Muster oder eine alte Verhaltensweise trotzdem ablegen zu können, muss daher die alte Bahnung gehemmt werden. Soll gleichzeitig ein neues Verhalten etabliert werden, muss zudem eine Neubahnung hergestellt, also bestimmte Neurone neu verknüpft werden. Eine Neubahnung kann dadurch nur durch intensiveren Zielzustand erreicht werden, damit die neue neuronale Bahnung stärker ist als die alte. Hierfür bedarf es zahlreicher Wiederholungen des neuen Verhaltens. Denn je öfter bestimmte Reaktionen wiederholt werden, desto mehr Neuronen schließen sich zusammen und desto selbständiger erfolgt die Reaktion.

Lösungsorientierung statt Problemorientierung
• Die Hirnforschung verdeutlicht somit, dass sich neuronale Bahnen nicht entwickeln, indem man den Fokus auf dem alten Problem behält und die bisherigen Verhaltensmuster genauestens betrachtet. Im Gegenteil: Dadurch werden die neuronalen Erregungsmuster, die eigentlich abgelegt werden sollen, noch verstärkt. Deutlich wird so, dass Problemaktualisierung nur dann sinnvoll ist, wenn der Fokus dabei auf die Lösung, die erarbeitet werden soll, gelegt wird. Dieses Prinzip wird auch im NLP vertreten. Unangenehmes wird hier nur in Dissoziation aktiviert.

Reframing
• Wie bereits geschildert müssen alte neuronale Bahnungen gehemmt werden, um eine alte Verhaltensweise abzulegen. Diesen Umstand greift die im NLP häufig genutzte Technik des Reframings auf, beispielsweise bei Angstreaktionen. So werden emotionale Reaktionen in einen neuen kognitiven Rahmen gesetzt und so neue Bahnen zwischen dem Präfrontalem Cortex als Sitz der Persönlichkeit und der Amygdala als Angstzentrum hergestellt. Durch diese neuen Bahnungen wird das Bewusstwerden der Angstreaktion gehemmt, wenngleich die neuronale Bahnung bestehen bleibt.

Strategienarbeit
• Eine weitere im NLP häufig verwende Technik ist die Strategienarbeit. Auf neuronaler Ebene ist darunter die Neuverknüpfung spezifischer Neuronen gemeint, welche zunehmend selbständig als eine komplexe Verhaltensmöglichkeit ablaufen. Im Grunde verwenden wir für all unsere Fähigkeiten und Probleme Strategien. Während mit Fähigkeit beispielsweise das Erinnern einer Telefonnummer gemeint ist, kann ein Problem beispielsweise ein Gefühl der Genervtheit sein, wenn die Schwiegermutter zu Besuch kommt. Erleben können wir dies durch die Abfolge von sinnesspezifischen Stationen, was auf neuronaler Ebene die Abfolge von Aktivität bestimmter Hirnregionen meint. Daher lautet eine Kernthese des NLP, dass eine Fähigkeit auf neuronaler Ebene genau dasselbe bedeutet wie ein Problem.

Ankern
• Weiterhin liegt die Erklärung, warum eine weitere NLP Technik – das Ankern – so gut funktioniert, ebenfalls auf neuronaler Ebene begründet. Heutzutage weiß man, dass sich gleichzeitig aktive Neuronen durch Synapsen miteinander verbinden. In den Neuroscienes wird hierfür auch die Aussage „Neurons that fire together wire together" verwendet. Wenn somit beim Ankern ein spezifischer Zustand eines Klienten mit einem bestimmten visuellen, taktilen oder akustischen Reiz verknüpft wird, erfolgt so eine Aktivierung der entsprechenden Nervenzellen. Diese verbinden sich durch die gemeinsame Aktivierung.
• Die neuronale Verknüpfung ist die Begründung dafür, dass dann später beim Auftreten des bestimmten Reizes gleichzeitig auf der entsprechende Zustand eintritt. Erklärung findet hierin auch die die Technik des Zusammenführens von dissoziierten Zuständen (Collapsing Anchors).

New Behaviour Generator:
• Auch das im NLP häufig genutzte Format des New Behaviour Generator weist mittlerweile durch die Entdeckung der so genannten Spiegelneuronen eine wissenschaftliche Fundierung auf. Beim New Behaviour Generator geht es darum, sich eine Person vorzustellen, welche ein bestimmtes Verhalten zeigt oder eine Fähigkeit besitzt, das/die man selbst gerne aufwiesen würde. Wenn diese internale visuelle Repräsentation stabil aufgebaut wurde, platziert man sich selbst an die Stelle des Modells. Anschließend erfolgt eine Verschmelzung mit der Wahrnehmung der eigenen Person. Dadurch kann entdeckt werden, wie es sich anfühlt, wenn man die angestrebte Fähigkeit bzw. das erwünschte Verhalten tatsächlich innehat. Dieser Prozess ist nur möglich durch Spiegelneurone.
• Spiegelneurone zeigen uns eine Empfindung davon aus, inwiefern sich eine spezifische (motorische) Handlung anfühlt einfach dadurch, dass wir das entsprechende Verhalten beziehungsweise den entsprechenden inneren Zustand bei einer anderen Person beobachten. Spiegelneuronen sind somit in der Lage, einen visuellen Input in eine haptische Erfahrung zu übersetzen.

Quelle: Harald Krutiak Der wissenschaftliche Beweis. NLP und die moderne Hirnforschung (2006): In: managerSeminare know-how, H. 96, S. 8-13.
Harald Krutiak ist Lehrbeauftragter der Charité, Universitätsmedizin Berlin und Psychologischer Psychotherapeut.

 

Auch Stefan Landsiedel hat eine interessante Sammlung empirischer Erkenntnisse zur Wirksamkeit von NLP auf seiner Homepage gesammelt:

1. Der Grundansatz von NLP und die meisten Formate sind auf breiter empirischer Basis belegbar.
2. Rapport aktiviert das Motivationssystem des Gehirns und bereitet so den Boden für Veränderung. Durch Oxytocin kompensiert er Veränderungsangst.
3. Das Spiegelneuronensystem bildet die Basis des Pacing und Leading.
4. Kongruenz ist alternativlos, denn die Amygdala detektiert Inkongruenz und schickt das Gefühl der Verunsicherung.
5. Die Einhalten von Feedbackregeln vermeidet die Aktivierung von Schmerzreizen im Gehirn. Dadurch kann sich das Gehirn besser auf die inhaltliche Botschaft konzentrieren.
6. Das Pacing des bevorzugten Sinneskanals (VAK-Kanals) vermeidet unnötige Stoffwechselaktivität im Gehirn und erleichtert so die Informationsverarbeitung.
7. Ankern ist die neuroplastische Kopplung eines Auslösereizes an die Aktivierung des nucleus accumbens (K+) oder der Amygdala (K-). Anker können eigentlich nicht gelöst sondern nur gehemmt werden. Unbewusstes Ankern ist die Basis der Intuition. Intuition ruft den Prototyp der Erfahrung ab.
8. Meta-Modell-Fragen wirken herausfordernd und bewirken dadurch die Ausschüttung von Noradrenalin. Noradrenalin initiiert die Suche nach Lösungsbausteinen in allen Speicherbereichen.
9. Tilgung: Der Thalamus filtert Informationen und lagert einen Großteil in unbewusste Speicherbereiche aus.
10. Generalisierung: Das Gehirn bildet Mittelwerte aus Erfahrungen.
11. Attraktive Ziele triggern die Ausschüttung von Botenstoffen (insbesondere Dopamin), die die Repräsentation des Ziels im Gehirn neuroplastisch verankern"

Quelle: https://www.landsiedel-seminare.de/nlp-blog/neurowissenschaften-und-nlp/

 

NLP und wissenschaftliche Studien – eine Sammlung

• Generell ist NLP nicht als der Hokuspokus anzusehen, zu dem es von seinen Gegnern gemacht wird. So bildet der Konstruktivismus, als anerkannte sozialwissenschaftlich Denkschule, die Grundlage der NLP-Philosophie
• Neben der vielen Erkenntnissen aus der Hirnforschung, die die Wirksamkeit der NLP Techniken erklären, existieren heutzutage viele Studien, die direkte Erfolge des Verfahrens aufzeigen.

1. So konnte eine Studie aufzeigen, dass die NLP Technik des Eingehens auf den bevorzugten Sinneskanal des Gegenübers zu mehr Rapport führt und dies als angenehm wahrgenommen wird.

Quelle: Falzett, W., C. (1981): Matched Versus Unmatched Primary Representational Systems and Their Relationship to Perceived Trustworthiness in a Counseling Analogue. Journal of Counseling Psychology, Vol. 28, No. 4, S. 305-308).

2. Eine weitere Studie verdeutlichte zudem, dass Ärzte, welche einen NLP Practitioner absolviert haben, besser auf ihre Patient/innen eingehen. So untersuchte Stephanie Bohn in ihrer Dissertation 21 an einem NLP-Practitioner teilnehmenden Ärzte in Bezug auf ihre Empathie im Arzt-Patientengespräch. Mittels eines qualitativ-quantitativen Methodenmix kam sie zu der Schlussfolgerung, dass die NLP-Ausbildung einen positiven Effekt ausübt.

Quelle: Bohn, S. (2004): NLP im Arzt-Patienten-Gespräch – Theorie, Praxis und Effekte. Universität: Köln. URL: http://kups.ub.uni-koeln.de/1402/.

3. Eine weitere schon 1987 durchgeführte die Wirksamkeit der visuell-kinästhetischen Dissoziation in einer Studie mit zwei missbrauchten Frauen erprobt. So zeigte sich bei beiden Frauen eine deutliche Besserung, die auch noch drei Wochen nach Abschluss der Behandlung anhielt.

Quelle: Koziey , P., W./ McLeod G. L., (1987). Visual-Kinesthetic Dissociation in Treatment of Victims of Rape . Professional Psychology, Research and Practice . Vol. 18, No. 3, S. 276-282.

4. Auch in Österreich, wo die Neurolinguistische Psychotherapie (NLPt) eine anerkannte Therapieform darstellt, wurde 2010 eine Studie durchgeführt. Dabei zeigte sich die NLPt als wirksam mit Langzeitwirkung.

Quelle: Stipancic, M../ Renner, W., Schütz, P., Dond, R., (2010): Effects of Neuro-Linguistic Psychotherapy on psychological difficulties and perceived quality of life. Counselling and Psychotherapy Research, 10 (1), S. 39-49.

5. Auch konnte in einer Studie ermittelt werden, dass sich Trance mit NLP-Elementen positiv auf Krebs auswirkt. Die Studie stammt aus dem Jahr 2002 und die Durchführung erfolgte mit weiblichen Krebspatienten, die Trancen über das Medium CD erhielten.

Quelle: Bargfeldt, M./Unterberger, G. (2002): Psychologische Begleitung von Krebstherapien mit Hilfe von Medien. URL: http://www.hildesheimer-gesundheitstraining.de/Krebstherapie_Begleitsystem.pdf.

6. Auch zeigten sich die NLP Psychotherapie in einer Studie von 1998 als erfolgreich in Bezug auf Allergien. So konnten mithilfe des sogenannten „Hildesheim Gesundheitstrainings", das auf der NLP Psychotherapie beruhte, signifikante Verbesserungen in bei Patienten mit Pollen-Allergie in Bezug auf Symptome, Medikamenteneinnahme und der allergischen Reaktion erreicht werden.

Quelle: Witt. K. (2008): Neuro-Linguistic-Psychotherapy (NLPt) treatment can modulate the reaction in pollen allergic humans and their state of health. International Journal of Psychotherapy, 12 (1), S. 50-60.

7. Eine andere Studie zur Zielerreichung wurde in den USA durchgeführt. Sie konnte verdeutlichen, dass bestimmte Strategien zur Zielerreichung (Ziele aufschreiben, einem Freund davon berichten und ihm Updates geben) dazu führen, dass Menschen ihre Ziele eher erreichen.

Quelle: Matthews, G. (2007): Goals research summary. URL: https://www.dominican.edu/academics/lae/undergraduate-programs/psych/faculty/assets-gail-matthews/researchsummary2.pdf.

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